NachDenkSeiten / Henning Rosenbusch: „Viele Länder haben trotz ihrer Lockdowns weit mehr Tote als Schweden“.

NachDenkSeiten, Henning Rosenbusch:
„Viele Länder haben trotz ihrer Lockdowns weit mehr Tote als Schweden“.
Online verfügbar unter https://www.nachdenkseiten.de/?p=66536, 05.11.2020.
Abstract:
Am letzten Freitag berichtete der in Schweden lebende deutsche Journalist und Fotograf Henning Rosenbusch für die NachDenkSeiten über das in deutschen Medien meist sehr einseitig kommentierte „schwedische Modell“ der Corona-Politik, das eher auf Selbstverantwortung und nicht auf staatliche Zwangsmaßnahmen und Lockdowns setzt.

Aber Schweden hat diesen lockeren Umgang ohne Lockdown, Schulschließungen oder Masken mit der höchsten Todesrate aller westlichen Länder bezahlt.

Ist das aktuell wirklich noch so? Nein, eben nicht. Auf dem Höhepunkt im Frühling starben an einem Tag über 100 Menschen an Covid-19. Heute sterben drei Menschen pro Tag an oder mit Covid-19. Im September, dem Monat mit der niedrigsten Sterblichkeitsrate aller Zeiten in Schweden, waren es noch weniger. Gleichzeitig sterben in Schweden 250 Menschen pro Tag an anderen Ursachen. Bezogen auf die Bevölkerungszahl gab es im Januar 2000 mit einer Sterblichkeitsrate von 110,8 Todesfälle pro 100 000 Einwohner mehr Todesfälle als im April 2020 mit Covid-19. Da waren es 101,1 Todesfälle pro 100 000 Einwohner. Die schwedischen Covid-19-Opfer wurden im Median 86 Jahre alt und liegen damit im Bereich der üblichen Lebenserwartung im Land. Das und die fehlende Übersterblichkeit im Vergleich zu den Vorjahren deuten an, dass viele vulnerable Menschen, die 2020 ohnehin verstorben wären, zu diesen Opfern gehören. Covid-19 ist momentan nur für 1,2% der Todesfälle in Schweden verantwortlich, erhält aber wahrscheinlich 99% der Aufmerksamkeit. Wir müssen eine gewisse Perspektive wahren, Zahlen in Relation setzen, um Gefahren richtig einschätzen zu können.

In einer britischen Regierungsstudie rechnet man langfristig mit 200.000 Toten allein durch den ersten Lockdown, aufgrund von Verzögerungen im Gesundheitswesen und den wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Dr. Scott Atlas, Chef der Neuroradiologie an der Universität Stanford, nannte Lockdowns kürzlich in Bezug auf verlorene Lebensjahre der Gesamtbevölkerung eine völlig destruktive Politik.
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